Bargeldloses Schweden

Gastartikel für den Blog Einfach Schweden:
Henrike hat zu Weihnachten eine wundervolle Idee gehabt. Einen Adventskalender. Jeden Tag gibt es einen Beitrag über Schweden. Ich fand die Idee so super, das ich sofort zugesagt habe.
Vielen Dank Henrike das ich Teilnehmen darf und das du so eine tolle Idee gehabt hast!
Wenn Du auch ein Schweden Fan bist, dann Besuche den Blog von Henrike
“ Einfach Schweden“

Adventskalender Tür Nummer 23
Kein Land ist bei der Abschaffung von Münzen und Banknoten so weit wie Schweden.

Zu Anfang eine kleine Geschichte:
Bei Johan, Obdachloser in Malmö kannst du deine „Spende“ auch ohne Bargeld hinterlassen indem du die Bezahl-App „Swish“ benutzt. Der Straßenzeitschriften-Verkäufer zeigt dir ein Schild mit seiner Swish-Nummer, du zückst dein Smartphone, öffnest die Bezahl-App, tippst die Nummer ein und überweist so Johan zum Beispiel 60 schwedische Kronen. Das ganze dauert nur wenige Sekunden.
Johan hat auch immer ein mobiles Kartenlesegerät dabei, denn in Schweden hat fast keiner mehr Bargeld für eine Spende in der Tasche.

Schweden war im Jahr 1661 das erste Land in Europa das Banknoten druckte. Gut dreieinhalb Jahrhunderte danach könnte Schweden das erste Land werden, dass das Bargeld wieder abschafft. Denn nur noch 19 Prozent aller Bezahlvorgänge werden mit Bargeld abgewickelt.
Zum Vergleich: In Deutschland waren es im Jahr 2017 noch knapp 75% der Zahlungen.
Vier von zehn Schweden haben seit mindestens einen Monat kein einziges Mal mit Scheinen oder Münzen Bezahlt.
Wieso sollten sie auch? Viele Busfahrer, Parkautomaten, öffentliche Toiletten nehmen seit Jahren kein Bargeld mehr an. Auch in immer mehr Geschäften, Restaurants und Tankstellen hängen Schilder mit der Aufschrift „Wir akzeptieren kein Bargeld“.
Die meisten Bankfilialen in Schweden geben gar keine Scheine und Münzen mehr aus.
Selbst in Kirchen steht eine Klingelbeutel-Maschine mit Kartenlesegerät.

Wieso ist das so?
Bargeld kommt den Banken teuer zu stehen. Sie müssen Geld zählen, Scheine bündeln, Münzen rollen und zu den einzelnen Filialen transportieren. Dort müssen Geldautomaten bestückt, Kassenschalter betrieben und die Banknoten aufbewahrt werden.
Deswegen haben sie auch gemeinsam das Bezahlungssystem Swish entwickelt. Swish ist ein mobiles Zahlungssystem, ähnlich wie Paypal, das fast zwei drittel aller Schweden mindestens einmal pro Woche nutzen.

Bei Karten-/Swish- oder Handyzahlungen können außerdem die Banken Geld verdienen.
Nämlich über die Gebühren. Und sie bekommen die wertvollen Kundendaten gratis oben drauf.
Die wenigsten Schweden stört das. Datenschutz spielt in Schweden keine große Rolle. Denn viele Schweden sind technikbegeistert. Und sie haben Vertrauen. Vertrauen in den Staat und sogar Vertrauen in die Banken und das Finanzsystem.
Außerdem sind die Schweden überzeugt: Kein Bargeld bedeutet weniger Verbrechen.
Bankräuber etwa ist ein aussterbender Beruf in Schweden. Seitdem fast keine Bankfiliale mehr Bargeld hat, gab es 2017 nur noch 5 Banküberfälle. 2008 waren es noch 110.

Eine Bargeldlose Welt hat aber nicht nur Vorteile. Es gibt in Schweden einen starken Anstieg der Kreditkartenkriminalität. Im Darknet gibt es zum Beispiel gefälschte oder gestohlene Karten für umgerechnet 30 Euro zu kaufen.
Außerdem macht man sich mit einer Bargeldlosen Welt abhängig von nur einen System.
Denn schon ein kurzzeitiger Stromausfall oder ein IT-Fehler könnten ein sehr großes Problem auslösen.
Noch viel schwerwiegender würde eine organisierte Cyberattacke sein. Denn wenn jemand das Bezahlsystem ausschaltet, dann herrscht Chaos. Das sind die Schattenseiten einer Bargeldlosen Welt.

Schweden geht nun aber schon ein Schritt weiter und überlegt mit einen Pilotprojekt zu starten.
Eine eigene Kryptowährung, die E-Krona.
Die könnte man auf eine Plastikkarte, ähnlich wie eine EC-Karte, aufladen und in Geschäften damit einfach und schnell bezahlen.
Sie wäre so anonym wie Bargeld. Ihr Besitzer hätte somit kein Risiko, dass eine Geschäftsbank hohe Gebühren erhebt oder durch einen Cyberangriff ausgeschaltet wird.
Außerdem wäre die E-Krona perfekt für alle Menschen, die kein Bankkonto besitzen und somit keine Kreditkarte besitzen.

Mit einer eigenen Kryptowährung wäre Schweden auch das erste Land in Europa. So wie 1661 mit der ersten Banknote war.

Was hälst du von einer Bargeldlosen Welt? Sind die Schweden Vorreiter und ist eine Bargeldlose Welt die Zukunft? Oder hängst du am Bargeld?
Vielleicht ist aber auch die Kryptowährung E-Krona die perfekte Lösung. Anonym wie Bargeld, so Digital wie eine Kreditkarte.

Schreib gerne deine Meinung als Kommentar unter diesen Artikel.


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