Disruption: Was ist das?

Das Wort klingt erstmal ziemlich bedrohlich und gefährlich. Aber Disruption heißt nur so viel wie Störung, Unterbrechung oder Erschütterung. Wo Erschütterung es wahrscheinlich am besten trifft. Allerdings ist das keine kleine Erschütterung, sondern eine, die keinen Stein auf dem anderen lässt. 

Disruption ist nichts wirklich Neues, sie hieß früher nur anders. So sprach 1942 der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter von schöpferischer Zerstörung.
Gehen wir auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte der Disruption, die Du vielleicht noch selbst erlebt hast.

Telefonieren
war ein ganz teures Abenteuer. Weißt du noch? War man früher unterwegs und wollte zum Beispiel zu Hause Bescheid sagen, dass man später kommt, musste man sich eine Telefonzelle suchen und passendes Kleingeld dabeihaben um anrufen zu können. An den Telefonzellen gab es oft lange Schlangen.
All das ist heute für uns kaum mehr vorstellbar. Statt Telefonzellen suchen zu müssen, haben wir unser Smartphone immer dabei. Tasten haben die schon lange nicht mehr.
In jeder einzelnen Wohnung liegen heute Internet Bandbreiten des gesamten Netzes der Telekom in den 1990er Jahren um ein Vielfaches übertreffen.
Wir telefonieren dank Skype, Facetime oder WhatsApp Video praktisch umsonst. Und das in einer Qualität und Auflösung, die höher ist als die des Fernsehens noch vor wenigen Jahren.

Tasten-Handys
Erinnerst du dich noch an das Nokia 8110, das Bananen-Handy? Es wurde 1999 im Film Matrix gezeigt und erlangte dadurch sofort Kultstatus. Das 8110 war die Zukunft und konnte zum ersten mal „Over-the-Air“ ein Software-Update erhalten. Nokia hatte bei Handys seinerzeit einen Marktanteil von über 35 Prozent und war der Branchenprimus.
Keine acht Jahre später, im Januar 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor. Nokias CEO belächelte es als Nischenprodukt für Nischenkunden. Nicht einmal sieben Jahre später wurde die Mobilfunksparte von Nokia dann durch Microsoft übernommen und auch Microsoft machte Nokia nach kurzer Zeit dicht.

Musik
Neben privaten Fotos ist Musik für die meisten von uns ein wichtiger Teil des Lebens.
Als ich klein war, hatten wir CD´s oder mussten in Autos oder Kinderzimmern auf Kassetten setzen. Wenn es bei denen mal Bandsalat gab, versuchte man den mit einem Bleistift in Ordnung zu bringen.
Dann kam die Disruption aus Deutschland! MP3. Ein digitales Komprimierungsverfahren aus Karlsruhe.
Musik wurde damit richtig digital. Auf einmal konnten diese Musikdateien ohne große Probleme über das Internet übertragen werden. Plattformen wie Napster und Kazaa bieten plötzlich Songs von Endverbraucher zu Endverbraucher an, und das umsonst. Dass das ganze damals illegal war, hat anfangs wenige interessiert.
Am 23.10.2001 stelle Apple den iPod vor. Über den iTunes-Store konnte man komfortabel und legal Musik kaufen und überall mit hinnehmen.
Doch der digitale Kauf war nicht der letzte Schritt. Spotify, 2006 in Schweden gegründet, bot Musik im Abo an. Jetzt musste man Musik nicht mehr kaufen, sondern konnte hören, was man gerade wollte in Echtzeit gestreamt übers Internet.

Video
Eine ähnliche Entwicklung wir im Musikmarkt erleben wir auch beim Bewegbild. Wollte man sich früher einen Film ansehen, war man auf das laufende TV-und Kinoprogramm angewiesen. In den 80er Jahren wurden Videorecorder erschwinglich. Man konnte das TV-Programm aufnehmen und sich VHS-Kassetten kaufen oder in einer Videothek ausleihen. Hatte man vergessen, sie rechtzeitig zurückzugeben, wurde die Leihe manchmal teuerer als der Kauf. Die Videokassette wurde dann von der DVD und dann Blu-Ray abgelöst. Den Gang in die Videothek konnte man sich jetzt sparen, denn die DVD´s sind so leicht, dass man sie kostengünstig versenden konnte. Man bestellte einen Film, der Briefträger brachte ihn nach Hause und nach dem Anschauen wurde er in einer vorbereiteten Versandtasche wieder zurückgeschickt.
1997 wurde in den USA als solch eine Online-Videothek gegründet, in Europa sollte Lovefilm zum führenden Anbieter werden.
Zehn Jahre nach seiner Gründung erweiterte Netflix dann sein Geschäftsmodell. Statt DVD´s durch die Gegend zu schicken, konnten Filme nun gestreamt werden.
Streaming ist inzwischen Alltag. Will man sich Filme oder Serien anschauen, sind diese bei zahlreichen Anbietern sofort Verfügbar.

Tesla
Heute fahren wir noch mit einem Auto mit Verbrennungsmotor durch die Gegend. Alle paar hundert Kilometer volltanken und alle 12 bis 18 Monate muss das Öl gewechselt werden.
Bereits heute gibt es Elektroautos, mit denen du Emissions- und Kostenfrei rund um die Welt fahren kannst. Du zahlst an manchen Ladestationen nicht einen Cent fürs Aufladen, die Motoren sind quasi Wartungsfrei, du hast 8 Jahre Garantie und eigentlich müsstest du das Auto auf den Autobahnen nicht einmal selbst fahren.
Das Auto und die Technologie stehen heute bereit, sie müssen lediglich noch zertifiziert und von unseren Behörden freigegeben werden.

Das war ein kleiner Abriss über die Geschichte der Disruption bis heute. Die nächsten Jahre werden aber noch deutlich schneller und intensiver.
Wie wird unsere Welt in Zukunft aussehen?

Autos
In ein paar Jahren werden wir uns folgende Geschichte erzählen.
Weißt du noch damals, als man in der Taxizentrale anrief, ein Taxi bestellte und nicht wusste, wann es kam? Und als es dann endlich kam, brummte der Dieselmotor, und man musste dem Fahrer sagen, wo man hinwollte. Und wenn man richtig Pech hatte, wusste der den Weg nicht! Am Ende musste man dann mit Bargeld bezahlen, weil das Kreditkarten-Lesegerät des Fahrers nicht funktionierte. Und dann hat der einen noch eine handschriftliche Quittung ausgestellt. Eine verrückte Zeit damals…
Es wir nicht mehr lange dauern, dann ist das Geschichte. Dann sitzen wir in einem selbstfahrenden Elektroauto, per App gerufen. Wir sagen dem Fahrerlosen Auto per Sprachsteuerung wo hin wir wollen und Zahlen dann voll Automatisch beim Aussteigen per App mit der Kryptowährung unserer Wahl.

Bankfilialen 
Das heutige Bankgeschäft besteht aus einem aufwendigen Filialsystem mit teurer Verwaltung und hoch bezahltem Personal, das jahrelang für die komplexen und regulierten Prozesse ausgebildet wurde.
Herkömmliche Verkaufsteams bieten mit hohen Gewinnspannen Produkte an, die früher nur von der Bank selbst vertrieben wurden.
Vieles davon kann heute schon der Computer übernehmen. Und das viel schneller, billiger und tatsächlich auch viel sicherer. Seit Paypal wissen wir, dass Online Bezahlsysteme funktionieren und das Thema Blockchain wir das ganze noch mehr revolutionieren.

Flughäfen
Du kennst das: Man fährt mit dem Auto oder einem teuren Shuttle zum Flughafen, parkt dort für den Preis eines guten Abendessen, um sich durch kilometerlange Einkaufspassagen bis zum Gate durchzuschlagen wo man noch ewig bis zum Boarding waren muss, weil man ja rechtzeitig bei A14 sein musste. In Stoßzeiten verbringt man seine Zeit in den Schlagen vor der Sicherheitskontrolle, und die Flüge selbst sind ebenfalls sehr teuer.
Bald Fliegen wir zum Taxipreis von einem beliebigen Punkt A zu einem beliebigen Punkt B.
Der Traum vom fliegenden Auto wird endlich wahr. Elektrojets werden ganz einfach per App gerufen.

Geht diese ganze Disruption auch wieder vorbei?
Ich sage Nein, denn Disruption ist kein vorübergehendes Phänomen. Rund 90 Prozent des weltweiten Datenbestands sind in den letzten beiden Jahren entstanden. Jedes Jahr verdoppelt sich diese Datenmenge.
Das bleibt nicht ohne Folgen für die Informationsverarbeitung. Denn durch künstliche Intelligenz und immer mehr Daten wird auch die Software immer schlauer. Sie nutzt die explodierenden Kapazitäten viel effizienter und produziert dabei mehrfachen Ertrag. Noch mehr Wissen wird noch effektiver genutzt.
Jede einzelne Industrie wird durchgeschüttelt oder disrupiert.

Wenn man einmal eingesehen hat, dass die Welt nicht so bleibt, wie sie ist und dass es keinen Sinn ergibt, sich dagegen zu wehren, dann wächst die Bereitschaft das alles nicht passiv über sich ergehen zu lassen, sondern diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Es kommen einschneidende Veränderungen auf uns zu. Dieser Wandel bietet ungeahnte Risiken und Chancen für jeden.

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Was sind deine Kindheitserinnerungen von früher? Hattest du noch einen Videorecorder? Wie schaust du heute Fernsehen?

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