Öffentlicher Dienst – Der Staat verpennt die Digitalisierung

Online eine Firma anmelden oder einen Reisepass beantragen? In Deutschland sind dafür noch Behördengänge nötig. Das muss sich meiner Meinung nach ändern!

Alle Parteien sprachen im Wahlkampf über die Digitalisierung. Unter den Schlagworten Industrie 4.0 und Breitbandausbau soll das Tempo des digitalen Wandels in allen Branchen und Betrieben beschleunigt werden. Vom öffentlichen Dienst war aber nicht die Rede.

So liegt Deutschland bei der Digitalisierung des öffentlichen Dienstes im internationalen Vergleich gerade einmal im Mittelfeld. Weit hinter Ländern wie England, Dänemark oder Estland was als Vorzeigestaat gilt.
In Estland zum Beispiel ist es möglich ein Unternehmen innerhalb weniger Stunden online anzumelden da die digitale Unterschrift dort rechtswirksam ist und dank verschlüsselter Übertragung auch als sicher gilt. In England kann man seinen Reisepass komplett online Verlängern.
Nur in Deutschland sind für solche Anträge noch jede Menge Papier und Behördengänge nötig.

Damit Deutschland in der Digitalisierung im öffentlichen Dienst nicht noch weiter zurück fällt gegenüber anderen Ländern ist ein Kulturwandel in den Behörden nötig.
Ein wichtiger Schritt ist eine umfassende Modernisierung der Registerlandschaft.
Bisher sind die Daten amtlicher Verzeichnisse noch stark über Behörden hinweg zersplittert.
Dadurch sind oft mehrfach Datenerhebungen nötig, was Zeit und Geld kostet und was die Qualität der Daten verschlechtert.

Ein digitaler Staat könnte zum Beispiel die Beantragung von Elterngeld vereinfachen. Bislang ist es nötig den Antrag für Elterngeld per Post einzureichen, inklusive verschiedener Nachweise wie Geburtenbescheinigung oder Steuernachweis die man sich erst bei verschiedenen Behörden zusammensuchen muss. Wären die Behörden untereinander vernetzt, könnten sie die erforderlichen Dokumente einfach online abrufen und die Bürger könnten ihre Anträge deutlich schneller Bearbeiten.

Auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen, das durch den Staat noch vielfältig geprägt wird, ist stark ausbaufähig.
Die Digitalisierung von Arztpraxen, Krankenhäusern und Versicherungen könnte den Kostendruck, Fachkräftemangel und demografischen Wandel stark mildern.
Andere Länder sind hier schon viel weiter. In den skandinavischen Ländern, in Holland oder England gibt es das digitale Arztrezept fast schon überall, während in Deutschland bisher das digitale Arztrezept nur sehr wenige Patienten nutzen können.
Immerhin ist die Online-Sprechstunde nach einem persönlichen Erstkontakt zwischen Arzt und Patienten in Deutschland eine kassenärztliche Regelleistung.
In England oder in der Schweiz sind Online-Sprechstunden allerdings seit vielen Jahren schon möglich.

Bei diesem Wandel kommt den Krankenkassen eine wichtige Rolle zu. Sie müssen eigentlich im Wettbewerb untereinander die Digitalisierung als Chance ergreifen, bessere Leistungen anzubieten. Bei den privaten Krankenversicherungen wird es darum gehen, den Wettbewerb um Bestandskunden zu forcieren.
Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Wettbewerb um Versicherte bereits im vollen Gange. Allerdings konzentriert sich dieser Wettbewerb noch zu sehr auf günstige Prämien und nicht auf die beste Versorgung. Das liegt daran das die Mittel für die Krankenkassen aus den Gesundheitsfonds sinken. Das wiederum mindert das Interesse der Krankenkassen an einer besseren Versorgung.
Hier könnte der Staat die Krankenkassen finanziell stärker für Erfolge bei der Gesundheitsversorgung belohnen.

Die Politik darf es nicht dabei belassen bloß die Digitalisierung in der Wirtschaft (Industrie 4.0) und in der Gesellschaft (Breitbandausbau) zu fördern.
Sie muss unbedingt den digitalen Bereich auch dort voranbringen wofür sie selbst zuständig ist, nämlichen den Öffentlichen Dienst.
Erfolgreiche Länder als Beispiele gibt es dafür sehr viele. Zum Beispiel Estland, Holland und England.
Die Digitalisierung im öffentlichen Dienst muss endlich Beginnen.

Ein spannendes Interview von FraunhoferInnoVision mit Experten über dieses Thema habe ich bei Youtube gefunden.

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