Wird Deutschland ein Mobile Payment Land?

In Sachen bezahlen mit dem Smartphone war Deutschland bis jetzt eher das gallische Dorf unter den EU-Ländern. Doch seit wenigen Monaten geht es Schlag auf Schlag: Erst startet Google Pay in Deutschland, kurze Zeit später die Sparkassen mit ihrer App „Mobiles Bezahlen“ und bald auch Apple mit Apple Pay. 
Setzt sich nun Mobile Payment in Deutschland durch?

Bis jetzt ist Deutschland für die Mobile Payment Anbieter ein undankbarer Markt. Wo neue Bezahlverfahren in anderen Ländern schnell angenommen werden, kleben die meisten Deutschen an ihrem Bargeld. Wenn hierzulande über Mobile Payment berichtet wird, dann in der Regel mit Berichten, die meistens zu Ängsten führen. Der „Gläserne Bürger“ drohe oder aber Diebesbanden, die mit mobilen Bezahlterminals die nächste Generation des Taschendiebstahls einläuten würden.
All diese Berichte und Artikel bedienen die berühmte German Angst und verhindert die Akzeptanz des Bezahlens per Smartphone oder Smartwatch.

Und so konnte sich bislang auch noch kein Anbieter wirklich am Markt durchsetzen. Viele frühe Anbieter sind daher auch schon längst wieder aus dem Markt verschwunden. Durchgehalten hatten bis hierher lediglich Payback, der bei Payback-Pay das mobile Bezahlen als Zusatz-Funktion in seine Punktesammel-App gepackt hat. Und ein paar kleinere Anbieter wie Glase oder Boon von Wirecard.
Entsprechend groß war bisher der WOW-Effekt, wenn man in deutschen Läden via Smartphone bezahlt hat. Ungläubige Blicke des Kassenpersonals, teilweise auch unangenehme Diskussionen, weil Unterschriften oder Ausweise verlangt wurden.

Nun aber steht den interessierten Nutzern eine breite Palette von Angeboten etablierter Unternehmen für das Mobile Payment zur Verfügung. Den Anfang machte Ende Juni Google mit seinem Payment-Dienst GooglePay, an dem sich allerdings derzeit nur eine überschaubare Anzahl deutscher Banken beteiligt. Der Dienst steht Nutzern des Android-Betriebssystems offen und benötigt eine Kreditkarte einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse. Ende Juli folgten die deutschen Sparkassen mit ihrem eigenen Angebot „Mobiles Bezahlen“. Es läuft, wie GooglePay, ausschließlich auf Android-Smartphones unterstützt aber die in Deutschland weit verbreitete Girocard/EC-Karte. Allerdings steht es exklusiv Nutzern mit einem Girokonto einer teilnehmenden Sparkasse offen.

Als sei damit der Startschuss gefallen, kündigte die Tage nun auch Apple an, seinen Bezahldienst ApplePay auch in Deutschland zu starten. Damit kämen dann erstmals auch deutsche iPhone-Nutzer ohne Umwege in den Genuss des Mobile Payments per NFC. Da Apple die NFC-Schnittstelle bislang nicht für Drittentwickler freigibt, konnten iPhone-Nutzer nicht auf Apps wie Glase ausweichen.

Nun könnte es also losgehen mit dem Mobile Payment in Deutschland. Am Handel zumindest soll es nicht scheitern. Nahezu sämtliche großen Lebensmitteleinzelhändler haben ihre Filialen weitgehend mit NFC-fähigen POS-Terminals ausgestattet. Stolpersteine sind dann in der Regel nur noch vereinzelt geforderte Mindestumsätze für die mobilen Kartenzahlungen.
Mittlerweile funktionieren die Terminals auch weitgehend reibungslos und auch das Kassenpersonal ist immer besser geschult, auch wenn die überraschten Reaktionen signalisieren, dass Mobile Payment wohl weiterhin kein Massenphänomen ist.
Womit wir dann beim wesentlichen Bremser der Entwicklung wären. Den Kunden.

Bisher dürfte viele natürlich auch das Fehlen bekannter, vertrauenswürdiger Anbieter für Mobile Payment in Deutschland abgehalten haben. Geldangelegenheiten sind immer Vertrauenssache und einen kleinen Startup, aber auch Payback vertrauen da doch zu wenige. Google, Apple und die Sparkassen genießen da ein deutlich höheres Vertrauen.

Allerdings sind viele in der Bevölkerung weiterhin skeptisch. Nicht nur dem Bezahlen mit Smartphone gegenüber, sondern generell dem Thema kontaktloses Bezahlen gegenüber. Fernsehberichte schüren teilweise Ängste und geben Anleitungen, wie man sich aus Alufolie Schutzhüllen für seine kontaktlosen Karten bauen kann. Große Onlinemedien griffen diese Ängste ebenfalls auf und verstärkten sie mit Berichten darüber wie angeblich organisierte Diebesbanden mit mobilen Bezahlterminals Menschen unbemerkt ausrauben könnten.
In Fachmedien stellten zwar Experten klar, dass das so gar nicht funktionieren kann, aber deren Reichweite ist nun mal deutlich geringer als die von den Onlinemedien oder Fernsehsender. Daher sind viele Bankkunden verunsichert und wollen bei ihren Karten gar keine Kontaktlos-Funktion.

Überhaupt nutzen Deutsche verhältnismäßig selten Karten am POS und falls doch, dann nur für größere Beträge. Wer schon einmal eine Tüte Milch für 69 Cent per Karte bezahlt hat, wird sich an entrüstete Reaktionen oder Lästereien andere Kunden erinnern. Wenn nicht ohnehin der geforderte Mindestumsatz dem einen Riegel vorgeschoben hat.
Daher ist der Marktstart von GooglePay, Mobilem Bezahlen und ApplePay zwar die notwendige Voraussetzungen für den Siegeszug von Mobile Payment in Deutschland.
Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis der Deutsche hier in der Gegenwart ankommt. Ängste vor Kontrollverlusten, Überwachung und mobilem Taschendiebstahl werden eben nicht durch technische Lösungen genommen, sondern durch positive Erfahrungen und Gewöhnung.
Un durch handfeste Mehrwerte. Diese sind aber durchaus noch überschaubar. Ein Vorteil ist aber, zum Einkaufen braucht man sein Geldbeutel oder EC-Karte nicht mehr mitnehmen. Das hat mich schon das ein oder andere Mal echt gerettet, so dass ich es nicht mehr missen will. Für viele reicht das aber offenbar noch nicht aus.
Bleibt also nur, geduldig zu sein und durch regelmäßiges Berichten hier auf meinen Blog und meinen Social Media Kanälen über die Vorteile und die Technik zu berichten und so hoffentlich die Akzeptanz bei den Deutschen gegenüber Mobilem Bezahlen zu steigern.

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